Gefährdung Biologischer Vielfalt

Monokulturen
Monokulturen in der Landwirtschaft
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Alle heimischen Wildbienen sind durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Dennoch gelten mehr als die Hälfte dieser 585 Arten als bestandsgefährdet. Aktuell werden 52,2% in der Roten Liste der Bienen Deutschlands geführt. Mehr als 40 % der Arten zeigen einen langfristig negativen Trend in der Bestandsentwicklung. Ca. 37 % der Arten gelten als stabil und nur knapp 1 % der Arten zeigt eine positive Bestandsentwicklung. Diese Entwicklung ist nicht nur für die Wildbienen alarmierend, auch die Wirtschaft ist davon betroffen. Unsere Lebensqualität und unsere Zukunft stehen in engem Zusammenhang mit der Bestäubungsleistung der Insekten: Allein in Europa wird die Bestäubung der Kulturpflanzen durch Bienen auf 22 Mrd. Euro geschätzt, da ca. 84 % der wichtigsten angebauten Pflanzenarten für unsere Ernährung durch Insekten bestäubt werden. Wild- und Honigbienen tragen somit wesentlich dazu bei, unsere Nahrungsgrundlage zu sichern.

Löwenzahn zwischen Asphalt
Bodenversiegelung mit Beton
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Die Ursachen für den allgemeinen Rückgang und die Gefährdung der Wildbienen liegen einerseits in der Zerstörung ihrer Nistplätze, andererseits in der Vernichtung oder Verminderung ihres Nahrungsangebots. Den größten negativen Einfluss auf die Bestände hat dabei die intensive Landwirtschaft (Flurbereinigung, großflächige Monokulturen, intensivierte Grünland- und Ackernutzung, Konzentration auf Silageerzeugung). Nicht zuletzt der mehrmalige Einsatz von Pestiziden pro Jahr (Herbizide gegen Wildkräuter und Insektizide gegen Insekten) hat einen systematischen Exodus der Bienenfauna im ländlichen Raum zur Folge.

Wirkstoff Glyphosat

Glyphosat: Wirkstoffabsatzmengen, Gefahren und Entwicklungen

Gängige Praxis in der konventionellen Landwirtschaft: großflächige Ausbringung von Pflanzenschutzmittel

Die Substanz Glyphosat ist ein Wirkstoff, enthalten im Totalherbizid Roundup, welches vom US Konzern Monsanto Anfang der 1970er Jahre entwickelt wurde. Heutzutage ist es das meist verkaufte Pflanzenschutzmittel der Welt. Genverändertes Saatgut von Baumwolle, Mais, Soja und Raps besitzen eine Resistenz gegenüber der toxischen Wirkung von Glyphosat. Aufgrund seiner postulierten möglichen Gesundheitsrisiken für den Menschen und der Schadwirkung auf die Artenvielfalt, steht es im Fokus der Diskussion zum Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft.  

Schätzungen zum weltweiten Einsatz von Glyphosat:

  • 2010 wurden ca. 1 Million Tonnen Glyphosat verkauft
  • 2012 waren es 718.000 Tonnen. Für die Folgejahre kam es zu einem starken Anstieg
  • 2014 wurden laut dem Agrarökonomen Charles Benbrook 826.000 Tonnen Glyphosat eingesetzt (davon 747.000 Tonnen in der Landwirtschaft)
  • bis 2017 erwarten die Marktforscher bei Global Industry Analysts einen Anstieg des Glyphosat-Markts auf 1,35 Mio Tonnen

Einsatz in Deutschland

  • 5.000-6.000 Tonnen Glyphosat kommen in Landwirtschaft und Kleingärten pro Jahr zum Einsatz
  • Dies entspricht ca. 25% der Herbizide und 16,7% der Wirkstoffe
  • 94 glyphosathaltige Mittel sind in Deutschland zugelassen (April 2015, laut BVL)
In Deutschland kommt auf Rapsfeldern der verhältnismäßig größte Anteil glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel in der Fläche zum Einsatz

In Deutschland kommt Glyphosat auf etwa 40% der Ackerflächen zum Einsatz (bei Raps: 87%, bei Körnerleguminosen: 72%, bei Wintergerste: 66%). Auch im städtischen Bereich bedient man sich der Effektivität des Herbizids, etwa bei Behandlung des Gehwegs oder der Grünanalagenpflege. Eine Zunahme der Glyphosatmengen verweist auf den großflächigen Einsatz des Wirkstoffes in Deutschland (Siehe Abbildung).

Die Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre durch die EU (Stand: November 2017) befeuert die kontroverse Debatte erneut. Schon in früheren Jahren wurden zuvor zugelassene und sorgfältig geprüfte Substanzen vom Markt genommen oder reguliert. Beispiele hierfür sind die Verbote des Insektizids Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) seit den frühen 1970er Jahren oder die Regulierung das Beizmittels Pro Poncho mit dem bienenschädlichen Wirkstoff Clothianidin.

Vor dem Hintergrund des ungebremsten Artensterbens, insbesondere von Insekten als Grundbaustein der Nahrungskette, wird die Kritik am Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln bestehen bleiben.

 

 

Abbildung: Übersicht der Wirkstoffabsatzmengen [t] im Inland an Glyphosat Reinstoff in den Jahren von 1993 - 2014 (Zusammenstellung nach Daten des BVL: 2013, 2014, 2015)

Weiteres Gefahrenpotential bergen menschliche Unachtsamkeit und Rücksichtslosigkeit in sensiblen Habitaten, wie die Zerstörung der Brutplätze von Malven-Langhornbienen im November 2017 zeigt. Eine weitere Ursache für den Rückgang sind Flächenverluste durch Bebauung und Versiegelung. Aber auch "aufgeräumte" und zu häufig gemähte öffentliche Grünflächen und private Gärten tragen zur Verminderung der Nistflächen und des Nahrungsangebots für Bienen bei.

Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, spricht zum Thema "Schutz der Bienen":

In einem Hintergrundtext (PDF) gehen wir näher auf die Ursachen für den Rückgang der Wildbienen ein. Ein Artikel im Hamburger Abendblatt beschreibt eindrücklich die "Gefahr für Majas wilde Schwestern".

Nicht nur die Bienen, sondern die gesamte biologische Vielfalt ist besonders in Agrarlandschaften stark bedroht. Der österreichische Wissenschaftsfonds FWF will nun grundlegende Erkenntnisse liefern, um dem Verlust der Biodiversität entgegenzuwirken und Ökosysteme in Agrarlandschaften zu erhalten (mehr dazu im Portal UmweltDialog). Weitere Informationen zu dem Projekt hier.

Das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) hat eine Broschüre "Bienen, Hummeln & Co.: Gefährdung, Bedeutung, Schutz" (PDF) mit weiteren Informationen erstellt.

Auf unterhaltsame Art und Weise macht das folgende Video von Greenpeace auf den Stellenwert der Bienen im Ökosystem aufmerksam: