Allgemeines

Was ist biologische Vielfalt und warum schwindet sie?

Grafik Insektenordnungen
Die mit Abstand artenreichsten Insektengruppen sind: Hautflügler, Zweiflügler, Käfer und Schmetterlinge

Unter „biologischer Vielfalt“ oder „Biodiversität“ versteht man die Vielfalt der Ökosysteme und der Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Die biologische Vielfalt ist weltweit in dramatischem Ausmaß rückläufig. Als wichtigste Ursachen für den Verlust gelten:

  • die Veränderungen in der Landnutzung (vor allem die Abholzung von Wäldern und die Umgestaltung natürlicher Ökosysteme zu landwirtschaftlich oder baulich genutzten Flächen),
  • Klimaveränderungen,
  • die Stickstoffbelastung von Gewässern (Einträge über Kunstdünger, Fäkalien und Autoabgase),
  • die Ausbreitung von nicht einheimischen Arten.

Die Vielfalt der Arten im Tierreich setzt sich in Deutschland (insgesamt 47.700 Arten) zu mehr als 70% aus Insekten zusammen. Für eine weitere Differenzierung der Artzusammensetzung beachten Sie obenstehende Grafik.

Bestäuberinsekten als wichtiger Teil der biologischen Vielfalt

Bienen und andere Bestäuberinsekten haben vermutlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Vielfalt der Blütenpflanzen gespielt. Vor rund 120 Millionen Jahren entwickelten sich in einem Prozess der wechselseitigen Anpassung (Koevolution) sowohl die Bienen als auch die zu bestäubenden Blütenpflanzen mit ihrer großen Vielfalt an Blütenformen und -farben sowie Blütezeit.

Auch unter Wildbienen gibt's Feinschmecker

Wie bei vielen anderen Insekten auch, gibt es daher unter den Wildbienenarten einige, die sich bei der Aufnahme von Pflanzenpollen und Nektar auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert haben. Diese Art der Futter-Spezialisierung nennt man Oligolektie. Sind die Wildbienen noch stärker spezialisiert und sammeln Pollen nur bei einer Pflanzengattung oder sogar von nur einer Pflanzenart, bezeichnet man dies als monolektische Verhaltensweise. So erklärt sich, warum viele Wildbienenarten in den letzten Jahrzehnten in ihrem Bestand stark dezimiert, regional verschwunden oder sogar ausgestorben sind:

Mit dem Verschwinden der Pflanzen aus unserer Kulturlandschaft verschwinden auch die Insekten. Wildbienen können aufgrund ihrer evolutiven Anpassung nicht auf andere Futterpflanzen ausweichen. Ohne ihre Trachtpflanzen sterben sie lokal selbst dann aus, wenn es reichhaltig blüht und ideale Nistplätze vorhanden sein mögen. In Deutschland sind 30 Prozent der Wildbienenarten oligolektisch.

Diese Lebensräume sind wichtig

So haben einige Lebensräume wie z.B. Wiesen, also selten gemähtes und nur mäßig gedüngtes Grünland, eine große Bedeutung für viele Wildbienenarten. Dort wachsen mit dem Wiesen-Bocksbart und der Wiesen-Glockenblume Pflanzen, die einigen spezialisierten Sandbienen-Arten als Pollenquelle dienen. Auch Waldränder, Kies- und Lehmgruben, Feldraine, Straßenböschungen und eine Vielzahl anderer Naturräume bieten jeweils unterschiedlichen Bienenarten geeignete Lebensbedingungen.

Politische Aktivitäten für den Erhalt der biologischen Vielfalt

Logo International Year of Biodiversity

Zum Schutz der biologischen Vielfalt fanden in den letzten Jahren verschiedene internationale Konferenzen statt und es wurden Konventionen beschlossen. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über diese wichtigen politischen Aktivitäten und Entwicklungen - angefangen mit dem Londoner Artenschutzabkommen im Jahr 1933 bis hin zu Artenschutz-Bemühungen in jüngster Zeit.

1933: Londoner Artenschutzabkommen

Das „Londoner Artenschutzabkommen“ war der erste internationale Ansatz, um sich dem Thema Artenschutz anzunehmen. Es wurde von neun Mitgliedstaaten unterzeichnet, die sich für den Schutz von 42 Arten verpflichteten. Die meisten dieser Arten zählten zum afrikanischen Großwild. Das Abkommen belief sich im Großen und Ganzen auf Jagd- und Exportbeschränkungen der zu schützenden Arten.

1948: Gründung der Weltnaturschutzunion (IUCN)

Den Namen „IUCN“ erhielt die Union erst im Jahr 1956. Zuvor war sie unter dem Namen „IUPN“ (Internationale Union für den Schutz der Natur) gegründet worden. Zu Beginn zählte sie 56 Mitgliedstaaten. Aktuell sind 208 Staaten und staatliche Stellen Mitglieder der IUCN (Stand: 21.09.2020). Bereits seit der Gründung setzt sich die Union für den Naturschutz ein und hatte auch damals eine erste „Liste der bedrohten Arten“ entworfen. Bis heute haben sich die Reichweite und das Aufgabenfeld der Union ausgeweitet. Neben der regelmäßig veröffentlichten „Roten Liste“ und der Ausweisung von Schutzgebieten ist auch das Umweltrecht ein wichtiges Aufgabenfeld der IUCN.

1972: Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen

Im Jahr 1972 fand die erste Konferenz der Vereinten Nationen mit dem Schwerpunkt „Umweltpolitik“ statt. Grundlage war, dass eine Verbesserung der Lebensumstände aller nur mit dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlage gegeben sei. Vertreter aus 113 Staaten nahmen an der Konferenz teil und bekannten sich dabei zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Hinblick auf Umwelt- und Naturschutzbelange. Die Konferenz in Stockholm führte zum „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro im selben Jahr.

1973: Konvention für internationalen Handel mit bedrohten Arten der wilden Flora und Fauna (CITES) oder Washingtoner Artenschutzabkommen (WA)

Einen ersten Entwurf für „CITES“ gab es im Jahr 1964 auf einem Treffen der IUCN. Beschlossen wurde die Konvention im Jahr 1973 von 80 Länder-Vertretern im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommen. CITES ist eine Konvention, die Richtlinien für den Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten bereitstellt, um das Überleben dieser Arten in freier Wildbahn zu sichern. Inzwischen sind 183 Vertragsparteien Mitglied bei CITES (Stand: 21.09.2020).

1992: Erdgipfel in Rio de Janeiro

Der „Erdgipfel“ der Vereinten Nationen baute auf der Konferenz aus dem Jahr 1972 in Stockholm auf. Hier unterzeichneten 192 Staaten die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD). Sie ist das zentrale politische Dokument für den Schutz der Biodiversität, auf das sich die Bemühungen auf den verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Ebenen beziehen. Die „Agenda 21“ als Aktionsprogramm für neue Umwelt- und Entwicklungspartnerschaften zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ist das zentrale Ergebnis der Konferenz.

1997: Konferenz Rio + 5

Fünf Jahre nach dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro wurde in New York eine Generalsonderversammlung einberufen, zu der 60 Staats- und Regierungschefs kamen. Es wurde eine Bilanz der zuvor vereinbarten Ziele gezogen und die bisherige Umsetzung der „Agenda 21“ bewertet.

2002: Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung

Zehn Jahre nach dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro wurde in Johannesburg der „Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung“ einberufen. Dabei wurde nicht nur Bilanz gezogen, sondern auch ein neuer Aktionsplan verabschiedet. Die Teilnehmenden der Konferenz betonten erneut, dass ein politisches Einwirken auf Klima- und Ressourcenschutz für eine soziale und ökologische Globalisierung notwendig ist und bleibt.

2011: EU-Biodiversitätsstrategie

Die Europäische Kommission veröffentlichte im Jahr 2011 eine EU-Biodiversitätsstrategie, mit der sie bis 2020 den Verlust der biologischen Vielfalt stoppen will. Die Strategie enthält Einzelziele für sechs Themenbereiche, die mit konkreten Maßnahmen erreicht werden sollen. Bereits im Jahr 2007 verabschiedete die deutsche Bundesregierung die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“. Die Strategie benennt rund 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen und soll bis zum Jahr 2020 gelten. Zur Umsetzung der Strategie wurde unter anderem das Förderprogramm „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ aufgelegt.

2012: Konferenz für nachhaltige Entwicklung Rio + 20

Zum 20-jährigen Jubiläum des „Erdgipfels“ fand eine weitere UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro statt. Erneut wurde sich zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsprinzipien bekannt. Außerdem wurden wichtige Weichen gestellt, um die noch nicht erreichten Ziele weiterzuverfolgen. Das Konzept der „grünen Ökonomie“ als Wirtschaftsmodell mit Blick auf Umweltbedürfnisse wurde vorgestellt. Darüber hinaus wurde der Beschluss für global gültige Nachhaltigkeitsziele und für das Aufwerten von UN-Umweltprogrammen gefasst.

2015: Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung – Agenda 2030

Im Jahr 2015 unterzeichneten alle 193 Mitgliedsstaaten der UN die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. In der Agenda sind 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zusammengefast, die alle politischen Bereiche einbeziehen.

Die 17 Ziele lauten:

1. Keine Armut 10. Weniger Ungleichheiten
2. Kein Hunger 11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
3. Gesundheit und Wohlergehen 12. Nachhaltige/r Konsum und Produktion
4. Hochwertige Bildung 13. Maßnahmen zum Klimaschutz
5. Geschlechtergleichheit 14. Leben unter Wasser
6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen 15. Leben an Land
7. Bezahlbare und saubere Energie 16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum 17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele
9. Industrie, Innovation und Infrastruktur  
   
Details zu den einzelnen Zielen finden sich auf der offiziellen Website.


Welche Ziele unterstützt „Deutschland summt!“?

 
Die Aktivitäten der Initiative tragen hauptsächlich zu den Zielen 11, 15 und 17 bei. Indem wir beispielsweise Menschen zu bienenfreundlichen Pflanzaktionen mit heimischen Wildpflanzen motivieren, werden Städte und Gemeinden wieder„wilder“, lebenswerter und nachhaltiger (11). Gleichzeitig fördern wir damit die biologische Vielfalt im urbanen Raum, insbesondere Bestäuberinsekten (15). Seit 2010 wächst unser Netzwerk aus Gemeinden, Städten und Regionen - den sogenannten Partnerinitiativen - die ihr Umfeld bienenfreundlicher gestalten möchten. Mittlerweile sind über 30 Kommunen vertreten. Wir helfen ihnen dabei, dass sich verschiedene Akteure vernetzen, um gemeinsam vor Ort aktiv zu werden (17).
 
Darüber hinaus unterstützen wir auch Ziel 4 mit unserem Bienenkoffer für Kita- und Grundschulkinder. Er enthält eine Vielzahl an Spiel-, Bastel- und Forschermaterialien rund um das Thema „Wild- und Honigbienen“ und lässt Kinder damit das Leben der Bestäuberinsekten entdecken.

2020: Biodiversitätsstrategie für 2030

Ein Meilenstein im Biodiversitätsschutz ist im Mai 2020 erreicht: Die Europäische Kommission stimmte der neuen Biodiversitätsstrategie für 2030 zu! Die Strategie ist zugleich Teil des Aufbauplans der EU.

Inhalt

Die Strategie enthält Vorschläge für EU-Maßnahmen, Verpflichtungen und Ziele, um den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Unter anderem geht es darum, ...

  • auf landwirtschaftlichen Flächen den Bestand an Bestäuberinsekten zu erhöhen.
  • geschädigte Ökosysteme und Flüsse wiederherzustellen.
  • von den europäischen Land- und Meeresgebieten mindestens 30 % in wirksam bewirtschaftete Schutzgebiete umzuwandeln.
  • auf mindestens 10 % der landwirtschaftlichen Fläche Elemente mit hoher Biodiviersität zu nutzen.

Insgesamt werden 20 Mrd. EUR pro Jahr für die Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Zur ipbes-Website mit ausführlichem Meldungstext.

2021: UN-Dekade Wiederherstellung der Ökosysteme
Ein Ökosystem im Mühlenbecker Land, Brandenburg.
Ein Ökosystem im Mühlenbecker Land, Brandenburg.

Unseren Ökosystemen geht es schlecht! Diesen traurigen Zustand müssen wir schnellstmöglich ändern. Warum?
Nur mit funktionierenden Ökosystemen können wir den Lebensunterhalt der Menschen verbessern, dem Klimawandel entgegenwirken und den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt stoppen.

Die Vereinten Nationen haben aus diesem Grund die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgerufen. Sie dauert vom Jahr 2021 bis zum Jahr 2030. Die UN-Dekade beginnt am Weltumwelttag am 5. Juni 2021! Hier lesen Sie wesentliche Inhalte der UN-Dekade auf Deutsch .

Machen Sie bei der UN-Dekade mit! So können Sie die Wiederherstellung von Ökosystemen unterstützen.

#GenerationRestoration

Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

Auch auf Ebene der Bundesländer und der Kommunen gibt es vielfältige Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt. Die Rahmenbedingungen und Ressourcen zur Umsetzung des Erhalts der Biodiversität müssen dabei stets evaluiert werden, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Die Positionspapiere der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) und vom Deutschen Naturschutzring (DNR) greifen aktuelle Themen des Natur- und Umweltschutzes auf und setzen sich kritisch mit ihnen auseinander. In allen Strategien sind neben den staatlichen Stellen auch die gesellschaftlichen Akteure und die Bürger aufgerufen, sich mit ihren Möglichkeiten an den Umsetzungsprozessen zu beteiligen.

Welche Rolle spielt Deutschland summt! für die biologische Vielfalt?

Deutschland summt!  und die Trägerin der Initiative, die Stiftung für Mensch und Umwelt, setzen sich vor allem für den Schutz und die Verbesserung der Ökosysteme ein, um so einen Beitrag zur Erhaltung der Bienenarten und der von ihnen bestäubten Pflanzen zu leisten. Die verschiedenen Wildbienenarten sind nämlich auf unterschiedliche Lebensräume angewiesen und tragen mit ihrer Bestäubungsleistung gleichzeitig zum Erhalt dieser Lebensräume mit ihren spezifischen Pflanzengemeinschaften bei.

Ausführliche Informationen zum Thema „Bestäubung“ geben wir hier.

Bei der Prämierung von Deutschland summt! durch die Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ am 26. März 2014 in Hamburg hielt unsere damalige Schirmherrin Daniela Schadt ein Grußwort, in dem sie auch die Bedeutung der biologischen Vielfalt betonte:

Kontakt

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Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
Hermannstraße 29, 14163 Berlin
Tel.: 0800 5018000

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